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Elf stillgelegte Schienenstrecken in Baden-Württemberg sollen vorerst nicht wieder in Betrieb gehen. Das teilte das Verkehrsministerium mit. Es habe sein Reaktivierungskonzept angesichts veränderter finanzieller Rahmenbedingungen überarbeitet und auf eine verlässliche Grundlage gestellt. Zwölf Strecken sollen dagegen reaktiviert werden. Einige davon sind bereits in Betrieb, an anderen wird gebaut, bei weiteren läuft die Planung.

Nicht reaktiviert werden sollen folgende Strecken: Breisach (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) – Colmar in Frankreich; die Bottwartalbahn zwischen Heilbronn und Marbach am Neckar (Kreis Ludwigsburg); die Kleine Teckbahn zwischen Kirchheim unter Teck und Weilheim (beides Kreis Esslingen); die zweite Etappe der Ablachtalbahn zwischen Meßkirch und Mengen (beides Kreis Sigmaringen); die Bollerbahn zwischen Göppingen und Bad Boll (Kreis Göppingen); die Klosterstadt-Bahn zwischen Maulbronn West und Stadt Maulbronn (Enzkreis); die Etzwiler Bahn zwischen Singen (Kreis Konstanz) und Ramsen (Kreis Tuttlingen); die Verlängerung der Zollern-Alb-Bahn zwischen Balingen (Zollernalbkreis) und Rottweil; die Verbindung zwischen Leutkirch und Isny im Allgäu (Kreis Ravensburg); die Eyachtalbahn zwischen Eyach (Kreis Freudenstadt) und Hechingen (Zollernalbkreis); außerdem die Schwäbische-Alb-Bahn zwischen Gammertingen (Kreis Sigmaringen) und Engstingen sowie zwischen Engstingen und Münsingen (beides Kreis Reutlingen).

Bereits seit Januar 2026 fährt die Hermann-Hesse-Bahn zwischen Calw und Weil der Stadt (Kreis Böblingen). Im Bau sind zwei Projekte: die Verlängerung der S2 auf der ehemaligen Filderbahn zwischen Bernhausen und Neuhausen (beides Kreis Esslingen) sowie die Untere Wutachtalbahn zwischen Lauchringen und Weizen (Landkreis Waldshut).

Noch in der Planung befinden sich die Talgangbahn zwischen Ebingen und Onstmettingen (beides Zollernalbkreis), die Zabergäubahn zwischen Lauffen und Zaberfeld (beides Kreis Heilbronn), die Kochertalbahn zwischen Waldenburg und Künzelsau (beides Hohenlohekreis), die Echaztalbahn zwischen Reutlingen und Engstingen (Kreis Reutlingen) und die Gomaringer Spange zwischen Reutlingen und Nehren (Kreis Tübingen). Hinzu kommen die Markgröninger Bahn zwischen Ludwigsburg und Markgröningen (Kreis Ludwigsburg), die erste Etappe der Ablachtalbahn zwischen Stockach (Kreis Konstanz) und Meßkirch (Kreis Sigmaringen), die Kandertalbahn zwischen Haltingen und Kandern (beides Kreis Lörrach) sowie die Krebsbachtalbahn zwischen Neckarbischofsheim Nord (Rhein-Neckar-Kreis) und Bad Rappenau (Kreis Heilbronn).

Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU) sagte, die Absage müsse nicht für immer gelten. Die Projekte würden nach fünf Jahren erneut bewertet. Ergäben sich in der Zwischenzeit neue Initiativen für Reaktivierungen, könnten auch diese geprüft werden, stets mit Blick auf die finanziellen Möglichkeiten des Landes.

Zur Begründung verweist das Verkehrsministerium auf eine gravierend verschlechterte Finanzierung des Schienenpersonennahverkehrs. Laut Razavi reichen die Regionalisierungsmittel des Bundes nicht mehr aus. Zusätzlich belasten Trassenpreiserhöhungen infolge eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs den Schienennahverkehr stark. Wenn sich die Lage nicht bessere, fehle dem Land künftig Jahr für Jahr ein dreistelliger Millionenbetrag.

Zwischen 1960 und den 1990er-Jahren wurden in Baden-Württemberg nach Ministeriumsangaben viele Bahnstrecken stillgelegt, insgesamt mehr als 1.500 Kilometer. Auf manchen Trassen wurden die Gleise vollständig abgebaut, andernorts liegen sie noch und verwildern. Aus heutiger Sicht war das nach Darstellung des Verkehrsministeriums ein Fehler.

Aus der Politik kam erste Zustimmung für die Markgröninger Bahn. Ludwigsburgs Landrat Dietmar Allgaier (CDU) zeigte sich erleichtert, dass das Land die Strecke entsprechend einstufe und bezuschusse. Das sei ein wichtiges Signal, teilte er mit: Die Planungen für diese Teilstrecke des Ludwigsburger Stadtbahnprojekts „LUCIE“ könnten nun fortgeführt werden. Das Aus für die Strecke Breisach–Colmar war dagegen bereits im August öffentlich geworden. Hannes Linck vom Verein „TransRhinRail Freiburg-Colmar“ nannte die Entscheidung damals „definitiv ein Schock“.

In den sozialen Medien fallen die Reaktionen gemischt aus. Ein Nutzer im Reddit-Forum „drehscheibe“ schrieb, er sei positiv überrascht, dass nun doch viele Strecken reaktiviert würden. Nach den Äußerungen Razavis in den vergangenen Wochen habe er einen Kahlschlag befürchtet. Ein anderer Nutzer meinte, das Land solle sich zunächst auf den Erhalt der bestehenden Strecken konzentrieren, bevor alte Trassen reaktiviert würden; auf vielen Bestandsstrecken gebe es noch Verbesserungsbedarf.

Ein weiterer Nutzer zeigte sich enttäuscht, dass die Schwäbische-Alb-Bahn zwischen Engstingen und Münsingen nicht für den regulären Schienenverkehr reaktiviert werden soll, obwohl dort im Sommer Züge fuhren. Ein anderer kritisierte, die Klosterstadt-Bahn in Maulbronn habe keinen Zuschlag erhalten, obwohl dort bereits an Sonn- und Feiertagen Züge verkehren.